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"Abenteuer auf dem Pfarrhof"

Hermannstädter Zeitung Nr. 1803 | 08.11.2002


Deutsche Erlebnispädagogen haben Kastenholzer Pfarrhaus für sich entdeckt

Vorbehaltlose und bedingungslose Liebe, menschliche Wärme, Zuneigung - seit Michi diese gefunden hat, macht er Fortschritte. Mit Rucksack und Fahrrad ausgestattet, hatten er und sein Betreuer im Mai d. J. die Reise aus Regensburg durch Europa angetreten.


Sie landeten schließlich im siebenbürgischen Kastenholz/Casolt im Harbachtal und haben sich im dortigen evangelischen Pfarrhaus häuslich eingerichtet. Der Junge gilt als verhaltensauffällig und schwierig. Mit acht Monaten wurde er abgegeben, und damit begann seine knapp zwölfjährige "Heimkarriere". Nun hat er eine Chance erhalten, durch neue Erlebnisse, ja Abenteuer, Eigenverantwortung zu entwickeln und sich auf ein selbständiges Leben vorzubereiten. Zunächst absolvierten er und sein Betreuer eine Wandertour und eine Kanufahrt über 80 Kilometer, um die Ausdauer zu trainieren.

Ob Aufenthalte in Spanien oder Mountainbikefahrten von Marokko nach Regensburg, einer Dschungelreise oder einer Seefahrt, das KAP bietet nicht nur diese Abenteuer an, sondern auch passende Ausrüstung. Das hört sich alles viel aufregender an als ein Leben auf dem Lande. Doch auf dem Pfarrhof in Kastenholz und auch in der Umgebung gibt es viele Anreize, und es gibt überdies Menschen, die sich auf den Zwölfjährigen ohne Vorbehalte einlassen und ihn schon mal um Hilfe bei diversen Arbeiten bitten oder ihn einfach zusehen lassen. Vor allem Tante Maja Torwächter, die Kuratorsgattin, hat es dem deutschen Jungen angetan. Bei ihr findet er echte Zuneigung und Wärme, und er genießt es sichtlich.

Als Peter Alberter, der Leiter des Regensburger Instituts für Kooperative Abenteuerprojekte (kurz KAP) im Vorjahr in Hermannstadt zu Besuch war, auf der Suche nach einem Stützpunkt für ein erlebnispädagogisches Projekt, war seine Begegnung mit Pfarrerin Elfriede Dörr ausschlaggebend, die ihm den Pfarrhof in Kastenholz - einer der von ihr betreuten Gemeinden - zeigte. Bald war der Mietvertrag perfekt, die KAP-Leute wollen nun den Hof auf Vordermann bringen und vielleicht auch Häuser in anderen Orten (z. B. in Burgberg) mieten. Hier sollen jeweils zwei-drei Kinder pro Haus untergebracht werden, wobei jedes Kind seinen eigenen Betreuer hat.

Vorerst werden es Kinder aus Deutschland sein, in Zukunft will man auch einheimische in das Projekt aufnehmen. Diesbezüglich führte Alberter Gespräche mit Inspektor Stefan Pop von der Hermannstädter Polizei, der auch zusagte, sich die Einrichtung einmal anzusehen. Was die Zusammenarbeit mit der Polizei betrifft: Die Kinder sind alle angemeldet, die Rothberger Polizei kommt regelmäßig zum Pfarrhaus, um nach dem Rechten zu sehen.

Der Aufenthalt in Rumänien ist auch mit dem Jugendamt in Deutschland abgesprochen, regelmäßig müssen die Kinder zurück nach Deutschland zur ärztlichen Untersuchung. Das Lernen soll allerdings nicht zu kurz kommen. Der Heilerziehungspfleger und Heilpädagoge hat versprochen, Deutsch als Fremdsprache an der Kastenholzer Schule zu unterrichten. Michi soll Privatunterricht erhalten, er darf aber auch die Deutschstunden besuchen, die sein Betreuer halten wird. Der Betreuer hat Verbindung aufgenommen auch mit der Leitung der Friedrich-Müller-Fachschule für Heilerziehung und Altenpflege (FMS) in Hermannstadt.

Hier berichtete er am Dienstag vor FMS-Schülern über die Erlebnispädagogik und über KAP. Möglicherweise werden FMS-Schüler Praktikum auf dem Hof in Kastenholz machen können. Übrigens träumt der Betreuer nebenher davon, die Schmalspurbahn zwischen Hermannstadt und Agnetheln zu reaktivieren, sowohl für den Personentransport, als auch für die Touristen und immer zahlreicher werdenden Eisenbahnfreaks. Denn sie ließe sich, auch erlebnispädagogisch verwerten.

(Beatrice Ungar)

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